Jane Eyre von Charlotte Brontë

Hintergrundinfos:

Titel: Jane Eyre. Eine Autobiographie

Autorin: Charlotte Brontë

Verlag: Anaconda (→ die von mir gelesene Ausgabe)

Seiten: 656 Seiten

Erscheinungstermin: Erste Erscheinung: 1848 (Smith, Elder & Co., London)

Klappentext:

Ein mittelloses Waisenmädchen, ein verbitterter Gutsherr und ein dunkles Geheimnis.

Die Waise Jane Eyre verlebt eine trostlose Kindheit im Haus ihrer hartherzigen Tante Mrs. Reed. Zur Erleichterung aller wird Jane auf ein Internat geschickt; aber auch dort hat sie es anfangs nicht leicht. Mit der Entlassung des heuchlerischen Direktors verbessern sich langsam die Verhältnisse. Als Jane Gouvernante auf Thornfield Hall wird, verliebt sie sich in den finsteren Hausherrn Mr. Rochester, der schließlich auch ihr seine Liebe gesteht. Doch die Mauern des Landsitzes bergen ein furchtbares Geheimnis …

Meine Meinung:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir dieses Buch selbst ausgesucht hätte. Sicher, aus 339 verfügbaren Büchern habe ich „Jane Eyre“ herausgepickt – aber ohne die Rory-Gilmore-Reading-Challenge wäre ich vermutlich nie dazu gekommen.

Und schon jetzt erweist sich die Entscheidung, bei dieser Challenge mitzumachen, als goldrichtig.

„Jane Eyre“ erzählt die Geschichte der gleichnamigen Protagonisten und setzt ungefähr bei ihrem zehnten Lebensjahr an, endet dann insgesamt 20 Jahre später. Jane lebt im Haushalt ihrer Tante Mrs. Reed. Dort wird sie mehr geduldet alles alles andere – Mrs. Reed erzieht sie nur, weil sie dies ihrem sterbenden Ehemann, Janes Onkel, versprechen musste. Die Kinder von Mrs. Reed, Georgina, Eliza und John, strafen Jane entweder mit Missachtung oder mit verbaler und körperlicher Gewalt.

Jane wird von ihrer Tante auf die Schule Lowood geschickt, damit sie dort lernt, ein fügsames Mädchen zu werden. Auf der Schule, die die Einfachheit des Lebens predigt, findet sie schnell eine Freundin und genießt es, nicht weiter unter ihrer Tante leiden zu müssen. Sie lernt, sich anzustrengen, bekommt Respekt und Anerkennung der Lehrerinnen und entwickelt sich damit zu einer gebildeten, wissbegierigen und gewitzten jungen Frau.

Ihr Schicksal treibt sie schließlich nach Thornfield Hall, einem Herrenhaus, wo sie ein kleines französisches Mädchen unterrichten soll. Schnell freundet sie sich mit den dort arbeitenden Menschen an und lernt nur allzu bald den Hausherren, Mr. Rochester kennen. Er erscheint ihr in Intelligenz, Stärke und Welterfahrenheit weit überlegen, doch Jane gelingt es, seine manchmal wirren Ausführungen und spitzen Fragen gekonnt zu beantworten.

Mehr als einmal macht Jane darauf aufmerksam, dass weder sie selbst noch Mr. Rochester von hübscher Natur seien. Und so ist es vielmehr sein Intellekt, der sie anzieht.

Im Laufe der Geschichte lernt man noch mehr Menschen aus Mr. Rochesters Umfeld kennen, doch Jane scheint schon bald ganz andere Probleme zu haben: Sie hört nachts unheimliche Geräusche und dann gibt es da auch noch diese Dienstbotin, die kaum jemand zu Gesicht bekommt.

Es verblüffte mich immer wieder, wenn Jane – im Hauptteil der Geschichte – sagte, dass sie 19 Jahre alt sei. Schnell vergaß man ihr Alter, denn sie benahm und artikulierte sich wie eine zehn Jahre ältere Frau.

Den Schrecken und die Grausamkeiten, die Jane in ihrer Kindheit erleben musste, begleiten sie noch bis in ihr Erwachsenenalter. Doch sie ist stärker geworden und hat in sich eine tiefe Überzeugung aufgebaut, was richtig ist und was falsch. Ihr Bauchgefühl und ihr Verstand weisen ihr stets die Richtung, in die sie gehen soll und sie vertraut immer auf sich selbst.

Mr. Rochester erschien mir am Anfang als kühle Person, der es liebt, andere herauszufordern. Tatsächlich ist er irgendwie beides, doch je mehr man von seiner Lebensgeschichte erfahrt, desto mehr versteht man seine Beweggründe. Doch er ist bei weitem kein klassischer Märchenprinz – dafür scheint er aber genau das richtige Gegengewicht zu Jane zu sein.

Es erfolgen noch die eine oder andere schicksalshafte Wendung, von denen manche mitunter doch sehr platziert wirken – einige Zufälle sind zu groß und wirken daher unglaubhaft. Einige Dinge konnte man vorhersehen und ab und an gab es einen winzigen Einfluss von Fantasy, der – zumindest meiner Meinung nach – nicht so recht passen wollte.

Wenn es mir am Anfang noch schwerfiel, mich in die Geschichte und in den Schreibstil der Autorin einzufinden, so konnte ich das Buch nach ungefähr der Hälfte kaum noch aus der Hand legen. Die Welt von Jane war stets klar umrissen, es gab manche poetischen Beschreibungen von Landschaften und einige Gedichte. Doch all diese Dinge erschaffen die Atmosphäre von Thornfield Hall erst.

Jane, deren Charakter irgendwie manchmal ihrer Zeit voraus zu seien scheint, fügt sich dennoch in dieses Gesamtbild ein. Diese Frau, die für sich selbst und für andere eintritt und die ihr Herz auf der Zunge trägt, erwies sich als angenehmer Protagonist, dem ich gerne durch sein Leben gefolgt bin.

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