Kid got shot (Garvie Smith 2) von Simon Mason

Hintergrundinfos:

Titel: Kid got shot

Untertitel: Garvie Smith

Autor: Simon Mason

Verlag: Rowohlt Taschenbuch

Seiten: 416 Seiten

Erscheinungstermin: 12.03.2019

Klappentext:

Nichts für Dumpfbacken – Garvie Smiths zweiter Fall

Five Mile steht unter Schock. Ein Schüler wurde tot aufgefunden und kein Motiv weit und breit. Garvie Smith – gutaussehend, genial, aber leider stinkfaul – wollte sich gerade dazu durchringen, ein bisschen für die Klausuren zu lernen. Aber es ist ja nicht mit anzusehen, wie dämlich Kommissar Singh sich wieder mal anstellt. Offenbar ist Garvie der Einzige, der weiß, wo man suchen muss – zum Beispiel bei der Exfreundin seines besten Freundes. Klausuren? Welche Klausuren?

Meine Meinung:

Nachdem mich der erste Teil dieser neuen Serie von Simon Mason „Running Girl“ schlussendlich doch noch von sich überzeugen konnte, war ich gespannt auf den zweiten Teil und damit auf ein erneutes Aufeinandertreffen von Inspektor Singh und Garvie Smith.

Achtung! Diese Rezension enthält Spoiler zum ersten Band der Serie!

In Five Mile hat sich eigentlich nichts verändert: Es ist noch immer eine eigentlich ruhige Gemeinde, mit vielen Häusern und Familien. Garvie Smith und seine Mutter wohnen immer noch zusammen in Five Mile und tragen noch immer die gleichen Streitigkeiten aus, die diese Familie schon im ersten Band begleitete: Die Aufforderungen von Garvies Mutter an ihn, zur Schule zu gehen und dort aktiv teilzunehmen, seine Versprechen, dass er es besser machen werde (was er nicht tut) und schließlich die geliebte Ansprache seiner Mutter darüber, dass sie ihn gar nicht mehr richtig kennt und nicht versteht, warum ihr vermeintlich so intelligenter Junge diese Intelligenz nicht für sein Vorankommen im Leben nutzt.

Doch es gibt auch einige Veränderungen: Inspektor Singh wurde aufgrund der Ereignisse in „Running Girl“ von seinem Posten als Inspektor ins Großraumbüro abgeschoben und muss nun die Aufgaben eiens einfachen Polizisten erledigen. Und dann passiert ein Mordfall.

Wie erwartet, reizt dieser Mordfall Garvie und schafft es, ihn aus seiner viel monierten Langeweile zu reißen. Entgegen aller Anweisungen beginnt Garvie seine Nachforschungen.

Der Fall erscheint sehr mysteriös: Es geht um einen polnischen Jungen, der ein Einzelgänger war. So richtig Freunde hatte er nie, sein ständiger Begleiter war seine Geige. Doch dann wird er tot in einem verlassenen Lagerhaus aufgefunden – ein Ort und eine Zeit, die nicht in das Verhalten des Jungen passen.

Die Polizei beginnt eifrig zu ermitteln. Nach den Irrungen und Wirrungen rund um den Fall Chloe sind die Beamten bemüht, in diesem neuen Fall schnell und streng nach Vorschrift zu ermitteln. Inspektor Singh bleibt kaum etwas übrig, als seinen Kollegen dabei zuzusehen, wie sie ermitteln. Seine Vorschläge und Einwände werden nicht mehr ernst genommen, was ihn jedoch nicht davon abhält, ein eigenes starkes Interesse an dem Fall zu entwickeln. Das Interesse wird vor allen Dingen durch Garvie bestärkt, der sich verbotenerweise immer mehr in den Fall verstrickt und der Polizei stets mindestens zwei Schritte voraus zu sein scheint.

Dank neuer Protagonisten bekommt Garvie etwas Verstärkung. Doch während er versucht, die einzelnen Puzzleteilchen dieses Falls zusammenzusetzen, riskiert er seine Schulbildung und enge Freunde.

Garvie erschien mir noch genauso wie im ersten Band: Intelligent, faul, kryptisch, gelangweilt. Das ist einerseits positiv, da ich ihn so direkt wieder einordnen konnte, andererseits hatte ich nicht das Gefühl, dass der Charakter eine Entwicklung durchmacht. Vor allen Dingen einige Aspekte des Falls, auf die ich nicht genauer eingehen kann, ohne zu spoilern, haben mich daran zweifeln lassen, dass Garvie als Protagonist und Charakter in sich gefestigt ist. Ich hatte das Gefühl, dass ihm für die Storyentwicklungen Eigenschaften und Taten hinzugefügt wurden, obwohl sie meiner Meinung nicht zu seinem eigentlichen Charakter passen. Das heißt, er hat in einigen Fällen OOC (out of charakter) gehandelt.

Inspektor Singh ist regelgetreu, sehr steif und darauf bedacht, seine Arbeit stets perfekt auszuführen. Denn genau diese Handlungsweise hat ihn in den letzten Jahren so schnell durch die Ausbildung bis schließlich zum Inspektor gebracht. Genau das erzählt Simon Mason dem Leser andauernd.

Doch dann sieht man, wie Inspektor Singh handelt: Er widersetzt sich seinem Chef, rebelliert insgeheim gegen ihn und folgt immer wieder Garvies Brotkrumen. Ab und an gibt es so etwas wie ein Intelligenzblitz, aber das wars dann auch schon. Der Charakter von Inspektor Sing wird anders beschriebene (tell), als er meiner Meinung nach tatsächlich handelt (show). Ich weiß ehrlich gesagt noch nicht, was ich von dieser Diskrepanz halten soll.

Die Geschichte brauchte wieder etwas, bevor sie mich so richtig catchen konnte. Aber nach den ersten hundert Seiten hatte mich der komplexe Fall in seinen Bann gezogen und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Allerdings muss ich auch sagen, dass ich zwei Dinge innerhalb der Storyline bemängeln muss: Einerseits geht es um die Einstellung zur Schule, die ich auch in der ersten Rezension schon anmerkte. Garvies Verhalten, sich allerhöchstens minimal für seien Schulbildung und seien Zukunft zu interessieren, erfahren erneut eienn fast verherrlichenden Charakter. Seine Taten haben für ihn dahingehend wieder nur geringste Folgen, wenn überhaupt. Noch immer halte ich dieses Bild, welches Simon Mason vermittelt, für fraglich.

Und zum anderen war der Fall sehr komplex. Gerade im Nachhinein gab es für meinen Geschmack zu viele Wirrungen und zu viele Ecken, um die man denken musste. Die Ereignisse, die zu dem Mord geführt haben, sind sehr vielfältig. Eine etwas einfachere Lösung hätte es meiner Meinung nach auch getan.

Lesen, wenn: Ihr nach dem ersten Band noch mehr von Garvies detektivischen Fähigkeiten erfahren wollt.

Nicht lesen, wenn: Ihr auf eine extreme Charakterentwicklung hofft. Oder wenn es euch schwerfällt, komplizierten Fällen gedanklich zu folgen.

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