Running Girl (Garvie Smith 1) von Simon Mason

Hintergrundinfos:

Titel: Running Girl

Untertitel: Garvie Smith

Autor: Simon Mason

Verlag: Rowohlt Taschenbuch

Seiten: 480 Seiten

Erscheinungstermin: 12.03.2019

Klappentext:

Geh chillen, Sherlock – hier kommt Garvie Smith

Garvie Smith ist 16, sieht hammer aus, hat ein fotografisches Gedächtnis und den höchsten IQ, den es je an der Schule gegeben hat – plus die miesesten Noten. Wozu auch der Stress? Das Leben nervt total. Nie passiert irgendwas Spannendes … Bis eines Tages die Leiche von Garvies Ex-Freundin Chloe aus dem Teich gefischt wird. Und der junge Kommissar Singh sich bei seinen Ermittlungen einfach zu dämlich anstellt. Jetzt muss Garvie wohl oder übel eingreifen. Langeweile? Endlich mal keine. Schule? Muss halt warten.

Meine Meinung:

Dieses Buch sprang vor allen Dingen meiner Schwester auf der Leipziger Buchmesse 2019 ins Auge. Als ich dieses interessante Cover sah, wollte ich sofort erfahren, worum es in dem Buch gehen sollte.

Aber wie so oft nach einer Buchmesse geriet auch dieses Buch zumindest bei mir in Vergessenheit. Ich entdeckte es dann durch Zufall in der Bibliothek und meine Schwester lieh es sich sofort aus. Zum Glück liest sie relativ schnell, sodass ich dann nicht mehr allzu lange warten musste, bis ich es auch beginnen konnte.

Die Geschichte führt den Leser zu Beginn gleich in das Leben von Garvie Smith ein. Er wird genauso dargestellt, wie es schon der Klappentext beschreibt: Faul und gut aussehend. Von seiner so hoch gepriesenen Intelligenz ist noch nicht viel zu sehen – man merkt eher, dass er sich nicht allzu sehr um das Betäubungsmittelgesetz schert und dass seine Mutter es definitiv nicht leicht mit ihm hat.

Garvies langweile Existenz wird durchbrochen, als Chloe Dow verschwindet. Ein 15jähriges Mädchen, das auf Garvies Schule geht und total beliebt ist. Sofort werden die Ermittlungen rund um das Verschwinden des jungen Mädchens aufgenommen – und genau diese Ermittlungen werden von dem zweiten wichtigen Protagonisten in diesem Buch geleitet: Inspektor Singh.

Von da an spaltet sich der Verlauf der Geschichte fürs erste: Inspektor Sing und Garvie Smith fangen jeweils an, Ermittlungen über Chloe Dow zu führen. Mehr als einmal kreuzen sich dabei die Wege der beiden Protagonisten, doch es dauert etwas, bis sie sich schließlich auf eine gewisse Zusammenarbeit einigen können.

Die Protagonisten sind jeweils sehr unterschiedlich ausgestaltet. Durch die beiden unterschiedlichen Perspektiven bekommt man von den jeweiligen Protagonisten ein ausgefeilteres Bild und hat am Ende des Buches eine klare Vorstellung davon, wer genau die Protagonisten sind und was sie ausmacht.

Garvie ist wie gesagt, ziemlich faul, was die Schule angeht. Wenn überhaupt erscheint er nur ab und an mal, Klassenarbeiten oder gar einen Abschluss zu machen, scheint nicht seine vordergründige Priorität zu sein. Genauso wenig wie die seiner Freunde Smudge oder Felix, mit denen Garvie sich eher trifft, um etwas zu rauchen und draußen herumzuhängen. All diese Dinge treiben seine Mutter zur Weißglut – schließlich soll ihr Junge eine überdurchschnittliche Intelligenz haben und es ist ihr immer wieder ein Rätsel, warum er diese nicht für die Schule einsetzt.

Viel lieber mischt Garvie sich in den Fall von Chloe Dow ein. Während einerseits sein Durst nach etwas Aufregendem und einem Abenteuer als Motivation dienen, hat er auch noch eine persönliche Verbindung zu Chloe. Im Laufe der Geschichte wird immer mehr aufgedeckt, wie die beiden zueinander stehen.

Inspektor Singh ist fast das genaue Gegenteil von Garvie. Er ist noch relativ jung als Inspektor, sehr gewissenhaft und folgt den auferlegten Regeln. Doch er hat auch ein gutes Gespür für die wichtigen Dinge und setzt sich sehr für den Fall und die Aufklärung ein. Je tiefer die Ermittlungen gehen, desto mehr opfert Inspektor Singh auch seine private Zeit dafür.

Nebenprotagonisten wie Smudge, Felix, die Mädels aus dem Imperium oder Garvies Mutter bilden ein authentisches Rahmenbild zum dem Setting der Geschichte.

Ich muss gestehen, dass es mir erst schwerfiel, mich in die Geschichte rein zu fühlen. Vor allen Dingen die Kapitel mit Inspektor Singh fand ich anfangs sehr lang und ich wartete eigentlich die ganze Zeit darauf, dass er und Garvie sich zusammenschließen würden, um den Fall zu bearbeiten. Doch irgendwann machte es bei mir ´klick´ und ich verfolgte gespannt die unterschiedlichen Ermittlungen.

Der Fall rund um Chloe Dow ist sehr gut aufgezogen. Gerade durch Garvie, der manchmal scheinbar zusammenhangslos irgendetwas tut, bekommt man nur stückchenweise Informationen zu dem Fall oder zu dem Mädchen Chloe, die eine ganz andere zu sein scheint, als man vorerst dachte. Immer wieder gibt es spannende Elemente, es entwickelt sich noch fast eine Nebengeschichte und gerade zum Ende hin geht es sehr rasant zu. Immer mehr kommt auch Garvies Intelligenz zum Vorschein und letztendlich war ich doch sehr beeindruckt von seinen Fähigkeiten.

Und jetzt komme ich schlussendlich doch noch zu einem kleinen Problem mit diesem Buch. Eigentlich ist es meine Schwester, die mich darauf aufmerksam gemacht hat und während ich diese Zeilen schreibe, denke ich, dass es ja nicht nur bei diesem Buch dieses Problem gibt, sondern auch noch bei einem ganzen Haufen anderer. Doch bei „Running Girl“ ist es auch mir sehr deutlich aufgefallen:

Garvie Smiths Abneigung gegen die Schule und Vorliebe für Drogen vermittelt nicht unbedingt ein gutes Bild für Schüler. Seine Coolness, das Schwänzen des Unterrichts und einige andere verbotene Dinge werden geradezu glorifiziert. Seine Mutter, die versucht, ihn wieder auf den „rechten“ Pfad zu bringen, scheint ihrem ach so intelligenten Jungen nicht wirklich gewachsen zu sein. Schüler, die dieses Buch lesen, könnten auf die Idee kommen, dass Schule ja vielleicht doch nicht so wichtig ist – das strahlt Garvie mit jeder Faser seines Seins aus.

Dieses Buch ist keineswegs das einzige, das Dinge glorifiziert, die man nicht hervorheben sollte. Mit Sicherheit schreibe ich selbst auch solche Dinge, ohne allzu viel über mögliche Folgen nachzudenken. Ich will also nicht zu sehr anklagen, sondern eher darauf aufmerksam machen. Wie meine Schwester sagte, sei das einzig Gute, dass die Menschen, die sich davon beeinflussen lassen könnten, dieses Buch vermutlich niemals lesen.

Lesen, wenn: Ihr einen gut durchdachten Fall erleben wollt, der zwei intelligente und einfallsreicher Protagonisten bedarf, um ihn aufzuklären.

Nicht lesen, wenn: Ihr von Anfang an eine spannende Geschichte erwartet.

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