Vertrauen und Verrat von Erin Beaty

Hintergrundinfos:

Titel: Vertrauen und Verrat

Autorin: Erin Beaty

Verlag: Carlsen Verlag

Seiten: 496 Seiten

Erscheinungstermin: 21.03.2018

Klappentext:

Mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie noch nie getroffen hat: für Sage der absolute Albtraum, doch Tradition im Reich Demora. Um dem zu entgehen beginnt Sage eine Lehre bei einer Kupplerin und begleitet zehn junge Damen aus adeligen Familien zum großen Verkupplungsball. Ihre Aufgabe ist es, die Bräute – und die Soldaten, die auf der Reise für ihre Sicherheit sorgen – zu bespitzeln. Denn im Reich braut sich ein Krieg zusammen. Schon bald findet Sage sich zwischen den Fronten wieder. Und sie, die nie heiraten wollte, stolpert geradewegs auf eine große Liebe zu. Doch wem kann sie wirklich trauen?

Meine Meinung:

Dieses Buch ist mir – wenn ich mich recht entsinne – auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse zum ersten Mal aufgefallen. Das Cover, das so schlicht, aber zugleich extrem stark wirkt, hat sofort meine Aufmerksamkeit erregt. Doch nach der Messe habe ich es wieder aus den Augen verloren und mich sehr gefreut, als ich nun in der Bibliothek erneut darauf gestoßen bin.

Dem Debütroman von Erin Beaty liegt eine spannende Geschichte zugrunde. Eine junge, starke und unbezähmbare Frau soll verheiratet werden – das erinnerte mich anfangs doch sehr an die Geschichte von Mulan.

Die Bräute, die zu dem Verkupplungsball gebracht werden sollen, um dort eine vorteilhafte Partei einzugehen – das ließ mich an das Buch von Richelle Mead, „The Promise“ zurückdenken. Das fand ich im Grund überhaupt nicht schlimm, denn die Geschichte hat meiner Meinung nach ihren eigenen Weg gefunden und sich wunderbar entfaltet.

Am Anfang des Buches lernt man Sage Fowler kennen, eine junge Frau, die bei ihrem Onkel lebt und dessen Kinder sie unterrichtet. Arrangierte Ehen findet sie abscheulich und sie sträubt sich dementsprechend sehr, als sie in das Alter kommt und verheiratet werden soll. Doch ganz ähnlich wie bei Mulan beweist auch Sage, dass sie nicht unbedingt das Zeug zu einer typischen, unterwürfigen Ehefrau hat. Die Verkupplerin Darnessa gibt Sage die Möglichkeit, als Assistentin zu arbeiten und gemeinsam mit ihr alles für das große Verkupplungsfest, das Concordium, vorzubereiten.

Währenddessen lernt man in einem zweiten Handlungsstrang den jungen Hauptmann Alexander Quinn und seine Truppe von unerschrockenen Soldaten kennen. Die Konstellation von Alexander Quinn ist eine durchaus typische für eine derartige: Sein Vater ist ein General, der eng mit dem König verbunden ist und Alexander ist ein sehr junger Hauptmann. Zudem hat er noch einen kleinen Bruder, Charlie, der ebenfalls zum Soldaten ausgebildet werden soll.

Alexander Quinn hat mit seiner Truppe einige Plünderer aus Kimisara, einer Region von Demora im Blick. Sie vermuten, dass diese sich sammeln, damit das ehemalige Königsgeschlecht, das vom Thron vertrieben wurde, erneut die Macht ergreifen kann. Mit in der Truppe von Alexander befindet sich zudem der Prinz des Reiches, Robert.

Als Alexander schließlich die Aufgabe erhält, die Gruppe der Bräute zum Concordium zu bringen, finden die beiden Handlungsstränge zueinander und verflechten sich.

Es folgen einige Ortswechsel und man lernt die Protagonisten in den unterschiedlichen Settings immer besser kennen.

Die Geschichte konnte mich am Anfang nicht so richtig catchen. Auch die Struktur der Welt, die vielen unterschiedlichen Ortsnamen, waren eine Herausforderung für mich. Doch nach den ersten 100 Seiten hatte mich Sage total in den Bann gezogen.

Die Bräute, die zum Concordium gebracht werden, weisen die unterschiedlichsten Charaktermerkmale auf. Es gibt einige hochnäsige, arrogante und ignorante junge Frauen, aber auch welche, die ein gutes Herz haben. Sage lässt sich von den Frauen nicht aus der Ruhe bringen und lebt sehr anschaulich ihre Neigungen und Gewohnheiten aus: Es wird immer wieder klar dargestellt und deutlich gemacht, wie wissbegierig und neugierig Sage ist. Man erfährt mehr über ihre Vergangenheit und kann beobachten, wie die starrköpfige junge Frau langsam auftaut, Freunde findet und auch die Freiheit, nach der sie so lange gesucht hat.

Die Geschichte erreicht schließlich ihren Höhepunkt, bei dem es spannend und actionreich zugeht. Sage, sowie ihre neuen Freunde, riskieren alles, um die Situationen gut zu bewältigen. Sages Scharfsinn und ihr Intellekt hat mich immer wieder beeindruckt – sie ist wirklich eine der wenigen Frauen, die in einer Welt, die von Männern regiert wird, ihren Kopf behält und für sich und ihre Rechte und ihren Willen einsteht. Das war von Anfang des Buches so und hat sich durch die ganze Geschichte als Roter Faden gezogen.

Die unterschiedlichen Settings und Charakterentwicklungen sind der Autorin gut gelungen. In ihren Stil musste ich mich zwar erst einfinden, doch als die Geschichte an Fahrt aufnahm, konnte ich mich kaum noch losreißen. Ein sehr gutes Debüt.

Auch, wenn das Buch als Mehrteiler angelegt ist, so war das Ende doch eines für mich, mit dem ich leben könnte. Aber trotzdem freue ich mich schon auf die Fortsetzung, die im Januar 2019 erscheint.

Lesen, wenn: Ihr auf starke Frauen steht. Und zudem einer Welt, die eher mittelalterlich erscheint, nicht abgeneigt seid.

Nicht lesen, wenn: Ihr eine einfache Romanze lesen wollt, mit einem schwachen Mädchen und einem starken Prinzen. Denn mit dieser Einstellung wärt ihr bei Sage Fowler total verkehrt!

4,1 von 5 Dolchen

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen